Red River extd.

Ausstellung mit Michael Hirschbichler
16.09.2026 bis 18.09.2026

Red River versammelt drei Werkgruppen, die aus Michael Hirschbichlers Auseinandersetzung mit dem Río Tinto in Andalusien hervorgegangen sind. Der stark saure und eisenhaltige Fluss ist durch geologische Prozesse, mikrobielles Leben und Jahrtausende des Bergbaus geprägt. Zugleich dient er Wissenschaftler*innen dazu, mögliche Umweltbedingungen auf dem Mars zu erforschen. Von dieser ungewöhnlichen Verbindung geht die Ausstellung aus: Eine geschädigte Landschaft auf der Erde wird zur materiellen und gedanklichen Schwelle zu einem anderen Planeten.

Hirschbichler nähert sich dem Río Tinto nicht aus der Ferne, sondern arbeitet in direktem Kontakt mit seinem Wasser, seinen Sedimenten und mineralischen Ablagerungen. Diese Arbeitsweise ist Teil dessen, was der Künstler als „Drecksarbeit / dirty work“ bezeichnet: eine künstlerisch-ethnografische Methode, bei der Orte materiell in den Entstehungsprozess der Arbeiten eingehen. Böden, Wasser, Rückstände, Pigmente und chemisch aktive Substanzen sind dabei nicht bloß Gegenstand der Darstellung. Sie färben, verändern, lagern sich ab und greifen unmittelbar in die Entstehung der Bilder ein.

In der fotografischen Serie Erythrotypien werden Negative dem sauren Wasser des Río Tinto ausgesetzt, sodass der Fluss das fotografische Bild chemisch verändert. In den River Paintings lagert der Fluss seine Sedimente direkt auf der Leinwand ab; Schwerkraft und mineralische Rückstände formen die Bildoberfläche. Ein Ausschnitt aus dem Film Red River, der aus Unterwasseraufnahmen besteht, führt dagegen in den Fluss selbst hinein: in einen roten, opaken, schwebenden, mineralischen und instabilen Bildraum.

In Fotografie, Malerei und Film erscheint der Río Tinto damit weniger als Landschaft, die abgebildet wird, sondern vielmehr als eine Kraft, die an der Entstehung der Bilder mitwirkt. Die Arbeiten verbinden Fragen von Kontamination, Extraktion und materieller Veränderung mit einer weiter gefassten kosmologischen Perspektive: Wie prägen irdische Umwelten unsere Vorstellungen anderer Welten? Und was verändert sich, wenn wir uns dem Mars nicht nur durch Teleskope, Sonden und Fernerkundung nähern, sondern auch über die chemisch veränderten Böden auf der Erde?

Michael Hirschbichler ist ein transdisziplinärer Künstler im Grenzbereich zu Architektur und Anthropologie. Seine Praxis untersucht die Beziehungen zwischen der materiellen Umwelt und den Erinnerungen, Mythen, Ideologien und Weltvorstellungen, die mit ihr zusammenhängen. Er arbeitet mit ortsspezifischen Materialien wie Rohöl, Salpeter, Bergbaurückständen, Kupfer, zermahlenen Gebäuden, Erde und Schlamm und entwickelt daraus Arbeiten, die eine mögliche räumliche Kosmologie der Gegenwart erkunden. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Kunstmuseum Wolfsburg, im Het Nieuwe Instituut Rotterdam, im Martin-Gropius-Bau Berlin und in der Villa Medici in Rom gezeigt. Michael Hirschbichler ist Professor für Experimentelles Gestalten sowie Gründer und Direktor des Center for Spatial Cosmology an der HafenCity Universität Hamburg.

https://atelier-hirschbichler.com/
https://csc.hcu-hamburg.de/