Locher Chapter 5

From Paradise

Jump to: navigation, search


S.R. Ich wollte noch einmal davon ausgehen, ich weiß dabei nicht ob der Begriff richtig ist, aber du hast ja eben auf die konkrete Poesie angespielt, dass das eine wichtige Beeinflussung für Dich war. Die Konkreten haben Sprache ja durchaus als Material bezeichnet und verstanden. Bei Dir kommt in meinem Verständnis dazu, dass die Sprache ein künstlerisches Material ist, niemals aber die Darstellungsweise, die Materialisierung dieser Sprache vernachlässigt wird. Du hast Deine eigene Sprache der Darstellung entwickelt. Mich würde noch einmal interessieren: siehst du Sprache tatsächlich als Material, als Spielwiese, und inwiefern hat diese Sprache für Dich noch eine Erkenntnisfunktion? Vielleicht kannst Du zu dieser Polarität noch etwas sagen.

T.L.: Es ist Material. Es ist aber auch – der Witz ist ja ein ganz wichtiger Aspekt der Sprache. Aber dann sind wir schon eigentlich auch beim Genießen der Sprache und auch bei der Reflexion, weil der Witz verbindet ja beides, oder die Ironie. Ich glaube schon, dass die Sprache noch immer einen kritischen und reflektorischen Inhalt abwirft. Trotzdem, formal bin ich natürlich – wenn ich mich vergleiche mit zeitgenössischen Künstlern, die auf eine gewisse Konzeptualität referieren – bin ich schon ein bisschen altbacken. Wir haben ja so einen gewissen Inhaltismus, der so ein bisschen glaubt, ohne die Berücksichtigung der Form auszukommen – also Inhalt und Form, beides zu denken, ist ein bisschen aus der Mode. Aber das ist nun mal auch ein Ding von mir; aber das ist auch nur mehr oder weniger. Ich hänge nicht an den Prinzipien für alle Zeiten. Ich versuche mich auch gelegentlich anzupassen an zeitgenössische Diskurse.



« Thomas Locher »