Koller Chapter 4

From Paradise

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S.R.: Glauben Sie, dass die Paradigmen, die Grundsätze konzeptueller Kunst - wenn man das überhaupt sagen kann - glauben Sie, dass diese Grundsätze noch in Funktion sind/noch funktionieren gegenwärtig?

J.K.: Das ist eine schwere Frage, denn alles kann zu einer akademischen Position werden, und ich bin nicht sicher, ob nicht auch der Post-Konzeptualismus in einer solchen Lage, in eine akademische Situation, weil es ist viele Jahre und viele Künstler machen solche Arbeiten, sind in solche Positionen, verbreitet und auch verschönern diese Position. Aber ich weiß nicht, ob ich ein Post-Konzeptueller bin, wenn ich ein Konzeptueller war. Ich weiß nicht... Ich bin jetzt ein alter konzeptueller Künstler. Ich weiß nicht.

S.R.: Ich glaube persönlich, dass die Frage, ob etwas alt oder neu ist, halte ich für nicht so Ausschlag gebend. Also mich würde eher interessieren Ihr Zugang zur Gegenwart. Wie würde in der Gegenwart Ihr konzeptuelles Credo aussehen. Wie kann man die konzeptuelle Frage/konzeptuelle Ansätze aktualisieren. Wie verstehen Sie die konzeptuelle Kunst in der Gegenwart, Ihre eigene?

J.K.: Die klassische konzeptuelle Kunst, oder...?

S.R.: Nein, Ihre eigene Praxis in der Gegenwart. Es liegt ja irgendwo ein Versuch zu Grunde, auch in der Gegenwart konzeptuell weiter zu arbeiten. Und die Frage wäre jetzt: Gibt es ein klassisches Modell, das man immer wieder ansetzt, oder verwandeln Sie Ihren eigenen Ansatz?

J.K.: Ich denke, ich verwandle dieses Prinzip, weil ich denke nicht, dass jetzt mache ich konzeptuell etwas oder konzeptuelle Kunst oder konzeptuelle Antikunst, denn ich bin auch jetzt in derselben Situation. Ich interveniere ins normale, tägliche Leben mit meinen Gedanken oder meine ad hoc-Aktionen. Meine Kultur-Situationen sind nicht vorher durchgedacht, ich reagiere auf die momentane Situation, in der ich bin. Darum denke ich nicht konzeptuell oder nicht-konzeptuell. Ich weiß nicht, ob das ist jetzt eine konzeptuelle oder konzeptualistische Haltung ist.

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