Haacke Chapter 7

From Paradise

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S.R.: Sehr gut. Jetzt kommt noch eine Frage, die eher persönlich gemeint ist und auch von mir ganz persönlich mit Interesse gefüllt ist. Und zwar würde mich interessieren, was für Sie persönlich die ideale typische tägliche Arbeit als Künstler ist; so, wie Sie sich Ihren idealen Tag vorstellen, wenn es überhaupt geht.

H.H.: Weiß ich nicht, wie ich darauf antworten soll. Das ist eine utopische Frage, und es gibt doch jetzt diese »Utopia Station»-Bewegung, und ich kenne mehrere von den Leuten, die da sich engagiert haben, und die sind mir alle angenehm, ich bin mit denen befreundet, aber ich habe denen immer gesagt: Also ich kann mich nicht mit der Utopie abgeben, weil die Gegenwart so viel Aufmerksamkeit verlangt, dass für die Zukunft kaum mehr Zeit übrig ist. (lacht)

S.R.: Das ist ein Hammer. Gut, also im Prinzip –  meine Fragen sind alle beantwortet. Jetzt wäre Raum für sozusagen, wie Buchloh gesagt hat: «famous last words«, also wenn Sie noch etwas hinzufügen möchten, was Ihnen ganz wichtig wäre, was Sie quasi dem Film oder sich selbst noch mit auf den Weg geben wollen, wenn Sie noch eine Aussage machen wollen...

H.H.: Da hätten Sie mich warnen müssen. Es ist wie bei dem «Was ist der wichtigste Einfluss?« usw., bei so einer Frage ist die Gefahr, dass das, was einem gerade einfällt, eine solche Wichtigkeit bekommt, auf Kosten sehr vieler anderer Dinge, die möglicherweise ebenso wichtig oder wichtiger sind, dass man damit etwas ins Gedränge kommt. Ich möchte nicht als der Anführer irgendeiner Bewegung oder einer Art, mit der Welt umzugehen, angesehen werden. Das muss jeder oder jede für sich irgendwie herausfinden; einmal wäre es sonst nicht echt, wäre es nicht das Eigene, aber es würde auch wahrscheinlich keinen Saft haben und würde deswegen auch keine Wirkung haben.

S.R.: Gut. Vielen Dank. Recht herzlichen Dank.


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