Haacke Chapter 3

From Paradise

Jump to: navigation, search


S.R.: Das könnte jetzt als Überleitung gesehen werden und ich möchte offiziell hier meinen Glückwunsch ausdrücken, denn Sie bekommen ja nächste Woche den Peter-Weiss-Preis überreicht in Deutschland. Aber ich sehe das trotzdem in Verbindung zu meiner Frage und der Ihrer Antwort, denn Peter Weiss hat sich ja auch selbst in seiner Praxis immer bewegt zwischen Literatur und Malerei, Malerei und Literatur, und das nicht nur in den einzelnen Medien, sondern auch in seinen Werken, wenn man z.B. die Bedeutung sieht, die der Pergamon-Altar spielt in seinem großen dreibändigen Werk. Der Pergamon-Altar wird ja sozusagen in der Geschichtsschreibung als eine Grundtragödie der bürgerlichen Gesellschaft oder sogar die Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft begriffen; und insofern scheint mir diese Fragestellung nach dem Medienwechsel, also wie man als Künstler sich an ein Publikum wendet mit einem bestimmten Thema, mit einer bestimmten Inhaltlichkeit – eine Grundfrage zu sein, die Sie in Ihrer Arbeit, in Ihrer Praxis immer wieder gestellt haben. Wollen Sie dazu noch etwas sagen?

H.H.: Ich habe mir erst vor kurzem – vorher war mir das so nicht bewusst – die »Ã„sthetik des Widerstands» vorgenommen; was er da über den Pergamon-Altar schreibt, das heißt die Handlung dreht sich am Anfang darum – das war für mich sehr aufregend, weil er die Vielschichtigkeit, aber auch die Widersprüchlichkeit künstlerischer Artikulation – und er ist zweifelsohne ein Bewunderer der künstlerischen Arbeit; gleichzeitig sieht er aber auch, was dahinter steckt und wer daran gearbeitet hat und welche Interessen da mit eingeflossen sind und wie die Rezeption im Laufe der 1000 Jahre sich verändert hat – also im Grunde auch kontextbewusst, und so gesehen passe ich da rein.

S.R.: Das war auch der Grund, warum ich mich sehr gefreut habe, als ich gehört habe, dass Sie den Preis bekommen.


« Hans Haacke »