EXPORT Chapter 4

From Paradise

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S.R. Man sagt, es gibt im Prinzip so zwei Positionen, wenn man sich den Künstler vorstellt, der jenseits seiner Arbeit, vor die Kamera tritt. Jetzt diese Situation hier. Es wird immer behauptet, es gibt im Prinzip so zwei Möglichkeiten, wie der Künstler sich verhalten kann. Entweder er entwirft aus seiner Perspektive den authentischen Künstler und spielt den authentischen Künstler und die andere Position ist eben das, zu sagen: jede Form von Vor-die-Kamera-Treten als Künstler, weil das ja eigentlich eine zusätzliche Arbeit ist, die eigentliche Arbeit, sagt man ja immer, hängt an der Wand oder ist woanders passiert – die zweite Variante wäre dann quasi, die Situation des vor die Kamera treten – was du ja jetzt auch schon machst – zu gestalten indem man das ganz deutlich macht. Vielleicht kannst du zu diesen beiden, die ja auch eine historische Positionierung ist jeweils – vielleicht kannst du da noch etwas zu sagen. Warum du dich zum Beispiel jetzt dazu entschlossen hast, die Situation für dich so zu definieren?

EXPORT: Also die letzte Frage, ich verstehe sie natürlich schon, ja klar. Aber warum ich es so definieren wollte, ich wollte eigentlich... ich glaube, das kann ich jetzt nicht so... ich kann das jetzt einmal so nebenbei sagen. Ich wollte einfach nicht also jetzt, dass hier eine Kamera – das ich so ein Talking Head bin in einem Film – wie immer der Film gestaltet ist, das ist keine Abwertung jetzt oder was – und etwas spreche, was ich mir denke zu diesen Fragen oder in dem Gespräch. Ich wollte einfach irgendwas dazwischen geben. Also, ich wollte irgendwas dazwischen geben oder ich wollte mich selbst einmal auf etwas drauf projizieren, und diese Projektion kann man dann wiederum weiter projizieren und kann man weiter zeigen. So ist es glaube ich am ehesten zu erklären. Also dass ich sage, ich bin eine... wie könnte man sagen oder was... es geht vielleicht jetzt um dieses Prinzip der Repräsentation oder was. Was ist ein Bild? Wenn auf dem Bild nichts drauf ist, aber die Stimme ist da, aber ich das Bild bestimmt habe, dann bin ich auf dem Bild ja drauf. Nur, ich bin natürlich nicht sichtbar drauf. Ich bin nicht sichtbar drauf, weil ich habe mich aus dem Bild entfernt. Ich bin aus dem Bild ausgetreten. Aber das Bild ist da, weil das Bild habe ich gemacht. Also wenn wir mal ganz weit zurückgehen, dann würde man sagen, die weißen Bilder vom Rauschenberg und so weiter oder so, wo da ja auch der Bildcharakter, die Repräsentationsfläche ganz stark behandelt wird. Wo man sagt, geht raus und dann mach ich es trotzdem. Das war also eine Intuition oder eine, es war... Jetzt ist alles drauf oder was jetzt kommt dann ein Nachspann oder was. Aber das war so Intuition, also sozusagen... wenn es jetzt um das Thema geht, konzeptuelle Kunst oder Konzepte in der Kunst oder wie das dann genau heißt, dann kann ich jetzt nicht erzählen und plaudern, weil dann könnt ihr ja auch einen Katalog aufnehmen. Und irgendjemand fragen, was wird sie sich dabei gedacht haben, die kann nicht über jede Arbeit reden. Es ist für mich dann irgendwie auch ganz klar, dass ich für dies dann auch das Konzept nehme. Also mir die Freiheit nehme, das Konzept zu nehmen.

S.R. Gut, also die nächste Frage wäre dann rein technisch – weil ich habe mit dem Peter Weibel darüber gesprochen, weil für den Film kann man ja immer nur relativ kurze Statements verwenden, weil das so viel ist. Der Plan ist eigentlich noch eine Box mit DVDs zu machen, wo dann die ganzen Interviews drauf sind. Da wäre dann die Überlegung, sollen wir dann zum Beispiel dieses Copyfax einblenden, wenn man deine Stimme hört oder wie würdest du das dann machen, das kann man dann ja direkt jetzt schon festlegen.

EXPORT: Nein, da würde ich dabei bleiben oder was. Weil die DVD ist ja nur ein Trägermaterial von dem Ganzen, was jetzt passiert. Das könnte ja genauso auf Video sein oder in zwanzig Jahren heißt das Trägermaterial dann anders, aber es ändert nichts am Inhalt für mich. Sicher, manchmal ändert ein Trägermaterial etwas, das ist ganz klar, aber du wirst ja jetzt nicht die ganzen Interviews malen wollen.

S.R. Nein, nein, aber auf der DVD soll dann schon alles, was man akustisch gut verstehen kann, und was verwertbar ist, soll schon komplett drauf sein.

EXPORT: Richtig, ja

S.R. Und was würdest du dann als Bild gerne haben?

EXPORT: Ja, dieses Bild was wir jetzt...

S.R. Das Bild, das Copyfax?

EXPORT: Ja. Oder die Aufgabe wäre an dich jetzt, du malst alle Interviews

(Lachen)

EXPORT: Aber du kannst es in Auftrag geben, es gibt sicher talentierte junge Maler, die das dann groß ausstellen und eine Sammlung kauft es.

S.R. Genau. Baldessari hat das ja gemacht.

EXPORT: Eben, Baldessari hat's gemacht. Ja genau. Und eine Sammlung kauft es und alles hat sich zum Besten gewandt. Und das ganze Interview und die ganze Abfolge ist dann noch in einer richtigen Sammlung drinnen, praktisch zum Sehen.

S.R. Genau! Sehr gut... Gut, ich bedanke mich.



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