EXPORT Chapter 2

From Paradise

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S.R. Nun kommt eine etwas andere Frage: Kannst Du sagen, dass es so etwas gibt wie ein Ziel, das du mit deiner Praxis verfolgst, auf das alles hinläuft?

EXPORT: Na, ob alles dorthin läuft, das kann man überhaupt nicht sagen darüber, da man dieses »Alles» überhaupt nicht kennt. Das lernt man ja im Laufe der Zeit erst kennen – ob es überhaupt ein Alles gibt und auch ein Ziel gibt. Aber wahrscheinlich ist so die Intention jetzt, ja, ohne wirklich »Ziel» zu sagen, weil ich habe nicht ein Ziel, das ich wirklich erreichen möchte – und was mach ich dann nachher? Dann bin ich durch das Ziel durchgegangen und was ist dann passiert? Dann weiß ich ja nicht mal mehr, wie die Stationen waren und so. Also das würde ich nicht sagen. Aber vielleicht... die Intention ist zu erforschen oder zu forschen, was in mir drinnen steckt.

S.R. Die nächste Frage richtet sich so ein bisschen nach den Grundlagen, mit denen du gearbeitet hast in den 60er – 70er Jahren und dann auch in den Installationen, die danach gekommen sind. Wenn man so etwas wie ein konzeptuelles Paradigma annimmt, würdest du sagen, dass dieses konzeptuelle Paradigma so noch in Funktion ist? Oder würdest du eher dahin tendieren zu sagen, man muss quasi mit jeder Arbeit dieses Paradigma wieder neu für sich erfinden?

EXPORT: Naja, du beantwortest die Frage ja eigentlich schon durch die letzte Bemerkung. Natürlich – aber ich fange jetzt noch einmal neu an – aber natürlich muss man mit jeder Arbeit, ja, mit jeder Arbeit die man macht – egal ob das jetzt konzeptuelle Arbeit ist oder ob es eine Zeichnung ist, ob es etwas Narratives ist, etwas Abstraktes ist, ein Film oder was – immer wieder hinterfragen, erstens einmal was man gemacht hat, ob man diese Sache wirklich auch so ausdrücken konnte, wie man sie ausdrücken wollte, wie die Methode ist, zum Beispiel. Das klingt jetzt recht trocken – aber wie ist die Methode, welches Material habe ich eingesetzt, wie arbeite ich mit einem Bild? Also diese Fragen muss man sich natürlich immer wieder neu stellen und stellt sie natürlich auch neu. Das ist jetzt nicht, weil das eine Aufgabe wäre oder etwas. Ich sehe das überhaupt nicht als Aufgabe, sondern man stellt sie – nur so kann ja dann wieder etwas Neues entstehen, weil man die Fragen immer wieder neu stellt oder neu formuliert oder die Analyse neu macht.


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