Camnitzer Chapter 6

From Paradise

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S.R. ... Sie haben jetzt auch schon die Frage beantwortet, was Ihre tägliche Lieblingsbeschäftigung ist, dass es für Sie egal ist ... es gibt ... keine favorisierte ideale Arbeit ... »Global Conceptualism«... noch einmal ganz kurz ..., wie diese Ausstellung entstanden ist aus Ihrer eigenen künstlerischen Praxis heraus.

L.C. Vom Persönlichen ... ich hatte ... sehr gemischte Gefühle, dass ich als Konzeptualist kategorisiert werde; ... hätte ich ein Wort wählen sollen, hätte ich »Kontextualist» genommen. Mich interessiert, wie kann ich mit einem Minimum an Verlust von Information einen maximalen Wechsel schaffen, und Kontext ist da eine gute Energie, die man aktivieren kann. Wir haben damals in den 60er Jahren in dieser kleinen Gruppe, die wir hatten, haben wir viel diskutiert, ob wir überhaupt mitmachen in Ausstellungen, die Konzeptualismus als Titel haben, oder nicht. Dann war es Selbstmord, es nicht zu machen, weil man den Markt verliert – nicht wegen verkaufen, sondern wegen Macht, etwas Macht zu haben ... Auf alle Fälle habe ich dann gemerkt, dass die Geschichte von Konzeptualismus, die in New York geschrieben wird oder in Europa, weil es ein Stil geworden ist, nur diejenigen Werke von der Peripherie annimmt, die in dieses Schema reinpassen, und diejenigen Sachen, die Objektcharakter haben oder die evokativen Charakter haben, die nicht konzeptuell sind, aber doch irgendwie eine Konnexion haben, werden weggelassen oder werden gesehen als esoterisch oder als folkloristisch.Daraufhin habe ich angefangen zu schreiben einen Text, ... das hat zehn Jahre gedauert ... in dem ich versuchte, eine Genealogie zu schaffen für Lateinamerika. Von wo kommen wir? Wir kommen nicht von Kosuth oder Weiner, wir waren da schon früher. Aber warum waren wir da früher? Was war die Grundlage, die uns da hingebracht hat? Da merkte ich, dass die Tupamaros z. B. ästhetische Elemente hatten in Operationen, die nicht militärisch verständlich sind, und obwohl sie keine Künstler waren und auch nicht interessiert waren an Kunst, hatten sie doch eine Notiwendigkeit, mit dem Publikum einen Konnex zu haben, die sie in den sthetischen Bereich brachte ... Theaterspiele, sehr komplex ... Schon ‚69 fand ich, dass eine neue Kunstgeschichte in Lateinamerika so etwas diskutieren muss und nicht ohne dem auskommt. Später habe ich entdeckt, dass der Lehrer von Simon Bolivar –  Simon Rodriguez..., der hat seine politischen Ideen in Aphorismen geschrieben, die wie Apollinaire aussehen – gebrochene Phrasen und verschiedene Größen von der Typografie und so weiter... Er war nur nicht interessiert an Kunst, sondern er war interessiert an präziser Kommunikation, und das war 70 Jahre vor »Un coup de dés»... All das machte nun klar, dass eine hegemonische Geschichte dies vertuscht oder nicht versteht und dadurch es nicht sieht, und dadurch kommt es nicht raus. Diesen Text habe ich dann mit Freunden diskutiert, und da haben wir gedacht, das könnte eine schöne Ausstellung sein. ... warum nur Lateinamerika, machen wir die ganze Welt, und daraufhin haben wir diese Ausstellung organisiert und hatten elf Kuratoren aus der ganzen Welt »pro Region» arbeiten lassen ... .


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