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"Dziga Vertov - Der Umsturz"

Thomas Tode (Hamburg)

     
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Dziga Vertov, unermüdlicher Avantgardist und erster Theoretiker des Dokumentarfilms, zählt zu den einfallsreichsten Pionieren der Filmgeschichte. 1918 begründet er die erste sowjetische Wochenschau "Kinonedelja". Er gehört in den 20er Jahren zu den Schrittmachern der Filmkunst im revolutionären Russland, mit intensiven Kontakten zu anderen Avantgardisten wie u. a. Eisenstein, Rodtschenko und Lissitzky. Unvergessen sind vor allem Vertovs kraftvoll militante Manifeste für den Dokumentarfilm, die er 1922 und 1923 veröffentlichte, in der Praxis überzeugend jedoch erst mit seinem Film "Der Mann mit der Kamera" 1928/29 einlösen konnte.

Seine Filme beschreiben nicht eigentlich die Gesellschaft wie sie sich darstellte, sondern wie sie noch werden sollte. Stets spürt man in ihnen eine utopische Antizipation. Der Filmemacher Chris Marker charakterisierte ihn wie folgt: "Vertovs Filme sind ein Brunnen, der unseren Durst weiterhin loescht, auch wenn die Quelle versiegt ist." Im Mittelpunkt des mit Filmbeispielen illustrierten Vortrags (45’ + 45’ = 90’ insgesamt) stehen die Montagetheorie Vertovs und ihr Verhältnis zu den Manifesten. Ausschnitte aus zehn Filmen werden analysiert und kommentiert, darunter Montagebeispiele aus: "Kinoprawda" Nr. 13, Nr. 16, Nr. 18, Nr. 21, "Filmauge" (1924), "Ein Sechstel der Erde" (1926), "Das Elfte Jahr" (1928), "Der Mann mit der Kamera" (1929), "Enthusiasmus" (1930) und "Drei Lieder für Lenin" (1934).

Thomas Tode lebt in Hamburg als freier Autor, Filmemacher und Kurator. Forschungsschwerpunkte: Essayfilm, Dokumentarfilm, Sowjetkino, Avantgarde, Re-education, Architekturfilm. Regelmäßig Beiträge für "CineGraph Lexikon" (Hamburg/München), "Cinémathèque" (Paris), "Cinema" (Zürich). Herausgeber folgender Filmbücher: "Johan van der Keuken: Abenteuer eines Auges" (Hamburg 1987 und erweitert Basel/Frankfurt a. M. 1992); "Chris Marker – Filmessayist" (München 1997); "Dziga Vertov – Tagebücher ⁄ Arbeitshefte" (Konstanz 2000); "Dziga Vertov – Die Vertov-Sammlung im Österreichischen Filmmuseum⁄ The Vertov Collection at the Austrian Film Museum" (Wien 2006).

Samstag, 9. Mai 2009, 19 Uhr
Universitätscampus Lüneburg
Scharnhorststraße 1
Gebäude 7, Raum 215



Der Videovortrag von Thomas Tode findet statt im Kontext des Projektseminars "Ausnahmezustand! Revolutionäre Positionen in Kunst(theorie), Film und Theater".