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Alia Rayyan

Recounting the Past, Present and Future—Art, Sense of Place and Society

17. Dezember 2015, 18 Uhr

Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg, Campus Halle 25


Die Frage, ob Kunst gesellschaftliche Verantwortung übernehmen soll, ist nicht neu und wurde von zahlreichen Künstler_innen und Autor_innen gestellt. Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 ist es der palästinensischen Kunstinstitution Al Hoash Gallery – the Palestinian Art Court ein zentrales Anliegen gewesen, entsprechend ihrem Auftrag, das kulturelle Erbe und die Kunst zu fördern, Teil gesellschaftlicher Debatten und Aktionen zu sein. Elf Jahre später hat sich die politische Situation nicht verbessert und die Palästinenser_innen genießen bei Weitem noch keine vollständige Anerkennung, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung.

In Anbetracht der andauernden Zerstörung der Lebensbedingungen und der Fragmentierung der palästinensischen Lebenswelt muss der Auftrag von Al Hoash neu formuliert werden. Was bedeutet die Wahrung des kulturellen Erbes an einem von gewaltsamen politischen Konflikten geprägten Ort? Reichen intellektuelle Auseinandersetzungen und die Präsentation von Kunstwerken in einem White Cube aus, um das Wissen und das kulturelle Erbe für künftige Generationen zu bewahren und eine Erinnerung an ihre kulturelle Geschichte zu ermöglichen? Oder sollte angesichts der ständigen Verschlechterung der Lage die Aufgabe einer Organisation wie Al Hoash breiter gefasst werden? Worin besteht die Aufgabe einer Kunstinstitution in einem Kontext, in dem Menschen unter Besatzung leben?

Der Vortrag gibt Einblick in die gegenwärtige Situation der in Ostjerusalem tätigen Kunstinstitution und diskutiert die Möglichkeiten von partizipativer Kunst in einer von Konflikten geprägten Umgebung.


Alia Rayyan machte ihren Master in internationaler Politik (Schwerpunkt Naher Osten) sowie Kunstsoziologie und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg und der School of Oriental and African Studies (SOAS), University of London. Sie arbeitete in Berlin, Beirut, Dubai, Amman und Ramallah. Seit September 2013 ist sie Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin der Al Hoash Gallery – the Palestinian Art Court in Jerusalem. Sie entwickelte ein »kreatives« Fachprogramm für junge palästinensische Künstler_innen und Designer_innen sowie ein soziales Kunstprogramm, dessen Interventionen und »rebell architecture« sich mit den speziellen Bedingungen öffentlicher Räume für Palästinenser_innen in Jerusalem auseinandersetzen. Ihr jüngster Text zum Überdenken der Strukturen des »kreativen« Felds in Konfliktzonen erschien in »Museums – Citizens and Sustainable Solutions« (hrsg. von Jacob Thorek Jensen und Ida Brændholt Lundgaard, Kopenhagen 2015).