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Doreen Mende

Das Bild als Schlachtfeld im globalen Kalten Krieg. Vom revolutionären Bild zum humanitären Missverständnis

13. Mai 2015, 18 Uhr

Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg, Campus Halle 25


Zwischen 1980 und 1986 fanden in Beirut, Aden (Jemen), Berlin und Tunis mehrere vierwöchige Lehrgänge für Fotografie statt. Daran nahmen verwundete, in die Jahre gekommene oder junge Revolutionär_innen verschiedener palästinensischer Organisationen und kommunistischer Vereinigungen aus dem Libanon teil, die in Zusammenarbeit mit Horst Sturm – Bildreporter der ostdeutschen Presseagentur ADN – die Möglichkeiten des Einsatzes von Bildern im Befreiungskampf für Palästina diskutierten.

Die fotografische Kollaboration umfasste ein Spektrum an Praxisformen, wie Arbeit im Labor, Foto-Übungen auf der Strasse, gemeinsame Bildanalysen, Foto-Theorie, Spaziergänge, informelle Besuche von Familien, heimliche Treffen mit Yasser Arafat, Ausflüge in militante Trainingscamps, gemeinsame Essen, lange Gespräche, Anbahnung lebenslanger Freundschaften und internationale Ausstellungen. Die Lehrgänge fanden zu einer Zeit statt, als die PLO sich im Übergang von einer revolutionären Bewegung zu einer politischen Partei befand und sich verstärkt um die Internationalisierung der palästinensischen Frage bemühte.

In diesem Kontext markieren die Technologien des Bildes »verschränkte Geografien« (Gabrielle Hecht) entlang des globalen Kalten Krieges. Als Krieg wurde er im »Deutsch-Deutschen« Fall nicht nur als Symptom des Antagonismus von Moskau und Washington zwischen den Ideologien von sozialistischem Internationalismus und westlich-liberaler Kultur der Erinnerung ausgetragen, sondern auch stellvertretend in anderen Geografien, beispielsweise im Mittleren Osten in Form der anhaltenden Konfliktsituation zwischen Palästina und Israel.

Zugleich fand in der Bild-Politik ein Wandel statt: Während die 1970er Jahre noch das »militante Bild« (Kodwo Eshun/Ros Gray) oder den Revolutionär ins Zentrum rückten, sind in den Bildern der Lehrgangsteilnehmer_innen der 1980er Jahre vor allem Frauen, Kinder oder Verwundete zu sehen. Wie können wir diesen Wandel speziell in Bezug auf den Diskurs über die Menschenrechte verstehen, die seit Ende der 1970er Jahre als »letzte Utopie« (Samuel Moyn) propagiert wurden? Inwiefern stehen die Bedingungen der Bildproduktion in Widerspruch zu offiziellen Bild-Politiken? Und welche zeitgenössischen Prozesse sind notwendig, um diese Bild-Praxis als geopolitisches Konzept für aktuelle Zusammenhänge brauchbar zu machen?

Doreen Mende lebt als freie Kuratorin und Theoretikerin in Berlin. Einen Ausgangspunkt ihrer konzeptuellen Projekte bildet oftmals archivarische Forschung zu den Zusammenhängen von Ökonomie, Bildproduktion und Geopolitik in zeitgenössischen Ausstellungsprozessen. In ihrer »praxis-basierten« Dissertation (PhD) beschäftigte sie sich aus heutiger Perspektive mit der Fotografie in deren Funktion als Solidaritätsdeklaration der DDR mit Palästina. Ihre Forschungs- und Vortragstätigkeit umfasst die Zusammenarbeit mit, u.a., Arab Image Foundation, International Art Academy Palestine, UNESCO Ramallah, Birzeit University, Qalandyia International, Beirut Art Center, Goldsmiths London, Bard College Annandale-on-Hudson und Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.