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Hinterbühne II

»Ozarichi, März 1944«, »Megalothymia«, Christian Boltanski »Die Archive der Großeltern«

27. April–31. Mai 2017 (Di–Do, 14–18h. Wegen interner Workshops bleibt am Dienstag, 9. und Mittwoch, 10. Mai der Ausstellungsteil »Ozarichi, März 1944« im Kunstraum, Halle 25, geschlossen.)

Eröffnung Mittwoch, 26. April 2017, 18:15h in Campus Hörsaal 3

Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg, Campus Halle 25


Eröffnung mit Kurzvorträgen und Paneldiskussion anlässlich des 80. Jahrestags der Bombardierung von Guernica / Gernika sowie zu Lüneburg und zur 110. Infanteriedivision, mit Beiträgen (in dieser Reihenfolge) von Dr. Laura López Paniagua (Berlin/Madrid), Prof. Dr. Carlos Collado Seidel (Philipps-Universität Marburg), Prof. Dr. Roberto Nigro (Leuphana), Prof. Dr. Christoph Rass (Universität Osnabrück), Prof. Dr. Ulf Wuggenig, Dr. Steffi Hobuß und Grußwort der Vizepräsidentin Prof. Dr. Beate Söntgen (alle Leuphana)

»Ozarichi, März 1944« im Kunstraum, Campus Halle 25
»Megalothymia« in Campus, Gebäude 10, Erdgeschoss
Christian Boltanski, »Die Archive der Großeltern« am Campus, Gebäude 7, Keller

Lageplan hier

Ausstellung in drei Räumen und Teilen

»Hinterbühne II« wurde organisiert von Ulf Wuggenig, Cornelia Kastelan und Hannes Loichinger (Leuphana) mit Unterstützung von Susanna Eremjan, Sophie Peterson, Annika Weinert und Studierenden des Masters Kulturwissenschaften, in externer Kooperation mit Prof. Dr. Christoph Rass (Universität Osnabrück), dem Arbeitskreis Gedenkkultur Lüneburg (insbesondere Joachim Gottschalk und Peter Raykowski) sowie Siegfried Berneis und Klaus Düwal (Guernica-Reproduktion)
Informationsdesign: Sherpa, Hamburg

Die Bombardierung von Guernica / Gernika: 26. April 1937

Die Ausstellung »Hinterbühne II« eröffnet am 26. April 2017 zunächst mit sechs Kurzvorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion im Hörsaal 3 der Universität. An diesem Tag vor 80 Jahren – am 26. April 1937 – fand der verheerende Luftangriff auf die baskische Kleinstadt Guernica / Gernika statt.

Diese Gewaltanwendung im Zusammenspiel nationalsozialistischer und faschistischer Kräfte löste auch die ikonisch gewordene Bildproduktion von Pablo Picasso aus, dank derer sich der Angriff derart fest in ein transnationales kulturelles Gedächtnis eingeschrieben hat, dass sie in diesem Jahr, das in die Phase einer Renaissance von Rechtspopulismus und Neo-Faschismus fällt, an zahlreichen Orten Anlass gibt, an den Überfall deutscher und italienischer Flugzeuge auf die Zivilist_innen einer militärisch bedeutungslosen Kleinstadt zu erinnern.

Lokal gibt es für unsere Erinnerung an diesen Akt von Barbarei zudem spezielle Gründe, nämlich die unmittelbare Verwicklung etlicher Lüneburger »Bürger auf Zeit« in dieses Verbrechen. Einerseits fanden eine Reihe der »Spanienkämpfer« aus der in diesem Land seinerzeit illegal operierenden deutschen Legion Condor später ihre Bleibe in dem 1937 in Lüneburg-Ost neu errichteten Fliegerhorst, Standort sowohl von Teilen des Löwengeschwaders (KG 26, 267) als auch des Wikinger-Geschwaders (KG 100) der im Zuge der forcierten Militarisierung der Stadt von 1935–1939 neu aufgebauten Luftwaffe. Zum anderen war es niemand anderes als der im Jahre 1938 von Berlin nach Lüneburg zum weiteren Aufbau des lokalen Luftwaffenstützpunktes gewechselte schlesische Junker Dr.-Ing. Freiherr Wolfram von Richthofen, der diesen Angriff gegen die baskische Kleinstadt militärisch plante, dirigierte und in seinem persönlichen Kriegstagebuch (KTB) schließlich mit charakteristischer Kaltblütigkeit und Empathielosigkeit gegenüber dem Schicksal Einzelner festhielt, Symptom der speziellen Spielart der von ihm an den Tag gelegten Megalothymie. Bis zu seinem frühen Tod 1945 im österreichischen Bad Ischl blieb Lüneburg Hauptwohnsitz dieses Generalfeldmarschalls der Luftwaffe. Seine Familie einschließlich seiner kurz vor Kriegsende noch aus Schlesien nach Lüneburg transferierten Mutter blieb der Stadt noch Jahre über seinen Tod hinaus erhalten.

Den im Spanischen Bürgerkrieg mit Erfolg eingesetzten Aristokraten, der zunächst noch im Schatten seines populären Cousins Manfred stand – als »Roter Baron« bzw. »Ritter der Lüfte« auch von den Nationalsozialisten bewunderter Fliegerheld des ersten Weltkriegs –, versuchten die Nazis mit Erfolg für den Aufbau eines Fliegerhelden neuen Typs, vom Habitus her gleichermaßen technokratisch wie technophil, zu nutzen. Wolfram von Richthofen hatte dabei als Offizier aus distinguiertem schlesischen Adel weder Hemmungen noch hinreichendes soldatisches »Ehrgefühl«, sich nicht auf Wunsch von Hermann Göring voll in den Dienst der nationalsozialistischen Propaganda zu stellen, obwohl er solche Abgrenzungen in seinem Kriegstagebuch gleichwohl bisweilen symbolisch aufrief. So folgte kurz auf öffentliche Schauveranstaltungen nach Heimkehr vom siegreichen Spanienfeldzug in Hamburg und Berlin auch ein entsprechender Auftritt Richthofens in Lüneburg am 26.6.1939.

Sozialer Rahmen war der Gautag in dem zur Gauhauptstadt von Hannover-Ost aufgestiegenen Lüneburg, an dem Wolfram von Richthofen vor rd. 30 Tausend Menschen das Wort ergriff. Dabei kam er auch auf seinen Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg zu sprechen: »Im vorigen Jahr habe ich in der Gauhauptstadt Lüneburg das neue Kampfgeschwader aufgestellt und bin schließlich von Lüneburg aus zum Endkampf in Spanien als Befehlshaber der Legion ›Condor‹ gestartet, nachdem ich vorher schon als Chef des Stabes fast 1 1/2 Jahre lang den spanischen Krieg kennengelernt hatte. (…) Daß es mir bei den vielerlei Beziehungen zum niedersächsischen Blut und Raum eine besondere Freude ist, heute hier vor euch zu stehen, wird mir geglaubt werden. (…) Was haben wir denn Großes getan? Wir haben unsere Pflicht erfüllt, wie es alle deutschen Soldaten tun, wenn der Führer ruft.«

Hinterbühne II: Neue Ausstellungsteile und Eröffnung

Im Ausstellungsteil »Megalothymia« werden in Hinterbühne II drei neue Display-Präsentationen gezeigt. Sie beziehen sich ebenso auf die am schwerwiegenden Kriegsverbrechen von Ozarichi in Weißrussland 1944 beteiligte, in Lüneburg 1940 aufgestellte Infanterie-Division 110 wie auf die gegenüber dieser militärischen Einheit von Techniken der Neutralisierung (im Sinne von Gresham Sykes und David Matza) wie von »faux pas« (im Sinne von Erving Goffman) geprägte lokale Erinnerungskultur- und politik. Spezielles Augenmerk richtet sich im Sinne einer genealogischen Analyse auf die Komplizenschaft zwischen städtischer Führung und Führung des Tradionsverbandes der 110. ID, die letztlich dafür verantwortlich ist, dass eine bereits bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen thematisierte Division mitten in der Stadt Lüneburg ein »Ehrenmal« zugestanden erhielt. Darüber hinaus stellt »Hinterbühne II« in diesem Raum nun zwei nicht auf normalem Wege zugängliche Dokumente zur kritischen Lektüre zur Verfügung.

Zum einen handelt es sich um eine Kopie von Wolfram von Richthofens nicht weniger als rd. 1.800 Seiten umfassenden persönlichen Kriegstagebuch. Dieses setzt mit dem 28. November 1936 ein, wobei die Niederschrift erst ab dem 5. Mai 1937 »nach Stichwortnotizen« erfolgte. Zu der unter seiner Regie bombardierten baskischen Stadt notiert von Richthofen am 30. April 1937: »Guernica (...) buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht«. Und über das Ergebnis eines der vorgenommenen technischen Tests schreibt von Richthofen etwa: »Die 250er [Bomben, U.W.] warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Die Bauart der Häuser: Ziegeldächer, Holzgalerie und Holzfachwerkhäuser, führte zur völligen Vernichtung. (...) Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.«

Zum anderen bietet »Hinterbühne II« eine Kopie der von der zuständigen Bibliothek (TU Braunschweig) bei Fernleihanfrage als »verschollen« gemeldeten Dissertation von Wolfram von Richthofen aus dem Jahre 1929 (TH Berlin) zur kritischen Lektüre an. Diese Arbeit, die dank Unterstützung der lokalen Bibliothek auf anderem Wege beschafft werden konnte, trägt den Titel »Der Einfluß der Flugzeugbauarten auf die Beschaffung unter besonderer Berücksichtigung militärischer Gesichtspunkte.« Bei diesem Werk, einem Hybrid aus ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichem Zugang, handelt es sich um den Versuch, technische wie wirtschaftliche Bedingungen der Möglichkeit für eine technisch viable industrialisierte Flugzeugproduktion in großem Stil zu erkunden. Unter politischen Gesichtspunkten gibt die Arbeit Einblick in die illegal unternommenen Versuche auf wissenschaftlicher Ebene, gegen den Vertrag von Versailles bereits in den 1920er Jahren am Aufbau der Luftwaffe zu arbeiten.

Der Ausstellungsteil »Ozarichi, März 1944« wird in »Hinterbühne II« zum einen durch weitere Übersetzungen von bislang im deutschen Sprachraum nicht bekannten russischen Quellen über Massaker der 110. ID und die Verantwortung von Eberhard von Kurowski ergänzt. Zum anderen berücksichtigt dieser zweite Teil der Schau auch die ausgelösten Feldeffekte von »Hinterbühne I« und dokumentiert gewisse erinnerungspolitische Entwicklungen. Bei diesen Effekten handelt es sich einerseits um solche aktivistischer und interventionistischer Art, kam es doch im Anschluss an »Hinterbühne I« zu temporären Verhüllungen des lokalen »Ehrenmals« der Infanterie-Division 110 zunächst am 8. März und erneut am 23. März 2017. Da diese Interventionen vor dem Hintergrund von Neutralisierungstechniken keinen Nachrichtenwert in der Presse erzielten, werden sie in visueller Form im Kunstraum gezeigt.

Andererseits sah sich auf Grund der mit Unterstützung des Militärhistorikers Christoph Rass (Universität Osnabrück) im Kunstraum vorgelegten wissenschaftlichen Evidenz, die in ihrem substantiellen Kern auf Basis eines Gutachtens desselben am 11. März 2017 in einer öffentlichen Intervention von Marina Gerber und Ulf Wuggenig einem geladenen Publikum aus den Feldern von Wissenschaft, Bildung, Politik, Justiz und Militär im Rahmen der Eröffnung des neuen Libeskind-Zentralgebäudes an der Universität vorgetragen wurde, die bei diesem Ereignis anwesende lokale Oberstaatsanwaltschaft veranlasst, ihre 2015 formulierte kontra-faktische Exkulpierung der Involvierung der Infanterie-Division 110 in das Kriegsverbrechen von Ozarichi zu revidieren.

Die Frage, ob das letztlich über Täuschung und Verschleierung – das im Display »Komplizenschaft« von Hinterbühne II mit zahlreichen Quellen aus dem Stadtarchiv demonstrierte Verschweigen der Deportationen und Massaker in Weißrußland in Vorträgen von ex-ID 110 Offizieren im Lüneburger Rathaus in den 1950er Jahren wie auch in den späteren Veteranenchroniken – erschlichene Denkmal einer »Kriegsverbrecherdivision«, auch aus rechtlicher (und nicht bloß aus moralischer Sicht) anfechtbar ist, wird zur Zeit in Form eines bei der Staatsanwaltschaft neu angestrengten Verfahrens einer Klage gegen die Stadt Lüneburg, die dieses Denkmal 1960 in ihre Obhut genommen hat, einer Klärung zuzuführen versucht. Dabei spielen auch Genealogie, Kontext und Bedeutung der problematischen Inschrift des vom Traditionsverband der ehemaligen 110. ID als »Ehrenmal« für diese Einheit beantragten Steins eine wesentliche Rolle. Wie in elaborierter politischer Rhetorik gerade auch des rechten Randes nicht unüblich, zeichnet sie sich auch das von Veteranenoffizieren der 110. ID ausgewählte, unter Rekurs auf griechische Mythologie begründete Epigram des mittlerweile gerne als »Gefallendenkmals« bezeichneten Steins durch in strategischer Absicht eingesetzte Polysemie aus: »Es sage keiner, dass unsere Gefallenen tot sind«. Aus theoretischer Sicht ist dabei nicht zuletzt auch die Frage berührt, ob Dingen wie Denkmälern ein Handlungspotential zuzuschreiben ist, wie es etwa Vertreter_innen der Aktor-Netzwerk-Theorie (ANT) implizieren.

Bei dem fraglichen Kriegsverbrechen handelt es sich gemäß militärhistorischer Mainstream-Literatur um nicht weniger als um »eines der schwersten Verbrechen der Deutschen Wehrmacht gegen Zivilisten überhaupt.« (Dieter Pohl, Die Herrschaft der Wehrmacht, München 2008: 328). Auf die Beteiligung der 110. ID machte Pohl im Anschluss an die Forschung von Rass bereits in seiner Habilitationsschrift an der LMU München 2007 aufmerksam. Daher stellt der Umgang mit diesem Verbrechen, den die Stadt Lüneburg, die lokale Bundeswehr, die Staatsanwaltschaft, Medien und andere Institutionen pflegen, ein künstlerisch-wissenschaftliches Forschungsthema dar, zu dem der Kunstraum Ergebnisse im Ausstellungsteil »Hinterbühne III« im Juni präsentieren und im Rahmen eines weiteren Panels öffentlich zur Diskussion stellen wird.

»Hinterbühne II« eröffnet mit einer Reihe von Kurzvorträgen. Angesichts des gewählten Eröffnungsdatums und der Bedeutung von Picassos ikonisch gewordenem »Guernica« widmet sich ein erster Beitrag von Laura López Paniagua (Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin, Berlin / Madrid) diesem großformatigen Gemälde, das der Künstler für den spanischen Pavillon der Weltausstellung 1937 in Paris in nur sechs Wochen unter Rückgriff auf Formen und Motive sowohl des Kubismus als auch des Surrealismus geschaffen hat. Für die populäre anti-militaristische kulturelle Wahrnehmung handelt es sich dabei fraglos um das »berühmteste Werk des berühmtesten Künstlers des 20. Jahrhunderts«. Postmodernistische Kunsthistoriker_innen wie etwa die des October-Zirkels wiederum sehen in Picassos Ikone ein Indiz, dass auch ein genialischer künstlerischer Modernismus mit »Referentialität, Verantwortung und Widerstand« verbunden sein kann (vgl. Hal Foster et al., Art Since 1900, London 2004: 288).

Am Tag der Eröffnung wird in Hörsaal 3 darüber hinaus jene Reproduktion des Picasso-Gemäldes präsent sein, die der lokale Künstler und Aktivist Klaus Düwal unterstützt durch die Initiative »dragoner-denk-mal-nach« im Jahre 2013 im Sinne einer friedenspolitischen Intervention um den Sockel des 1939 von den Nationalsozialisten in Auftrag gegebenen Dragoner-Denkmals – von idealtypisch aggressiver Rhetorik, Reiter auf Pferd mit Speer – im heutigen Lüneburger Clamart-Park gelegt hatte.

Als ausgewiesener Spezialist für die spanisch-deutsche Geschichte, die Legion Condor und den Spanischen Bürgerkrieg konnte zudem der an der Philipps-Universität Marburg tätige Historiker Carlos Collado Seidel gewonnen werden. Sein Beitrag wird den sich über Jahrzehnte wandelnden politischen und gesellschaftlichen Umgang mit der Bombardierung Guernicas / Gernikas sowohl in Spanien, als auch in Deutschland thematisieren und dabei die Überlieferungen des Freiherrn von Richthofen einbeziehen.

Das zweite Hauptthema des Abends ist dem fortgesetzten Diskurs über Ozarichi gewidmet. In Lüneburg, das sich traditionell als Garnisonsstadt verstand und nun den Übergang in eine echte Universitätsstadt zu bewältigen hat, ist diese Diskussion noch nicht Teil einer reflexiven Erinnerungskultur, wie man sie aus Städten mit stärkerer akademischer Tradition kennt. Beispielhaft in dieser Hinsicht ist etwa Karlsruhe. Ähnlich wie die Lüneburger 110. ID war auch die Karlsruher 35. ID maßgeblich an dem im Raum Ozarichi begangenen Kriegsverbrechen beteiligt. Lokal herrschen in Lüneburg im Gegensatz zu Karlsruhe noch altbekannte Neutralisierungstechniken wie Verleugnung, Verdrängung, Informationsverzerrung und »Verdammung der Verdammenden« vor.

Vor diesem Hintergrund wird sich im Sinne eines weiteren Schritts von Aufklärung über verdrängte Aspekte der lokalen Geschichte aus sprachphilosophischer Sicht die Kulturwissenschaftlerin Steffi Hobuss einer Analyse des bereits zitierten Epigrams des Denkmals der 110. ID widmen. Christoph Rass wird als führender Militärhistoriker zu »Ozarichi 1944« Fragen von Art und Ausmaß der Involvierung der Lüneburger Einheit nachgehen. Ulf Wuggenig schließlich wird gestützt auf Material aus dem Stadtarchiv über die enge Verflechtung der Spitzen der Felder von Politik, Administration, Militär und Kirche sprechen, die in den 1950er Jahren die Bedingungen der Möglichkeit für die nachhaltige Vertuschung eines Kriegsverbrechens ungeheuren Ausmaßes geschaffen haben. Allen Verschleierungsversuchen zum Trotz erhebt es sich nun kraft der Mechanismen des kulturellen und sozialen Gedächtnisses sowie eines auf Grund der digitalen Transformation enorm ausgeweiteten Speichergedächnisses mit Macht aus der historischen Versenkung.

Eine sich an die Vorträge anschließende Podiumsdiskussion vertieft die Auseinandersetzung zu den zwei genannten Themen.

Text: Ulf Wuggenig