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Urban Subjects

Filling the Weak Points

Ein Projekt von Urban Subjects in Kooperation mit dem Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg und dem Leuphana Arts Program.


“Autogestion must be studied in two different ways: as a means of struggle, which clears the way; and as a means for the reorganization of society.”[1]
Henri Lefebvre

“Autogestion is not based on the what, but in the how.”[2]
Marina Sitrin


“Filling the Weak Points” untersucht die Möglichkeiten künstlerischen Arbeitens hinsichtlich der Erforschung und Darstellung sozialer Beziehungen und Bewegungen. Im Speziellen beschäftigt sich das Projekt mit Formen der sozialen Organisation und mit Bewegungen, die, wie Marina Sitrin ausführt, “die Zukunft in der Gegenwart schaffen”.[3] Vor dem Hintergrund einer Krise des Kapitalismus und des Staates, durch die sich Gegenwart und Zukunft gleichermaßen prekarisieren, sind derzeit soziale Bewegungen zu beobachten, die als neue Formen der autogestion, der kollektiven Selbstverwaltung und des Selbstmanagements, im Spanischen horizantalidad, beschrieben werden können und die unter den aktuellen und uns umgebenden Bedingungen entstanden sind.

Autogestion leitet sich aus einer anarchistischen Form der Selbstorganisation ab und ist als eine vielgestaltige kollektive Praxis zu verstehen, die gemeinsame Entscheidungsfindungen beinhaltet und in nicht-hierarchischen Strukturen organisiert ist. Ihre Geschichte ist lang, doch wurde sie im ehemaligen Jugoslawien ausgearbeitet und erstarkte unter anderem im Frankreich der späten 1960er Jahre. Einer der wichtigsten Vertreter der autogestion ist der französische Philosoph und Urbanist Henri Lefebvre. Für Lefebvre ist autogestion gleichermaßen Bruch und Risiko, sowohl spontan als auch von langer Hand geplant. Er konstatiert, dass sich autogestion an den “schwachen Punkten der existierenden Sozialordnung” herausbildet.[4] Neue “schwache Punkte” scheinen unentwegt aufzutauchen und neue Formen der sozialen Organisation, der Wahlmöglichkeiten, Würde und Mitspracherechte für die am stärksten Betroffenen zu verschaffen, die bestrebt sind, diese “weak points” zu füllen. Genau aus diesem Grund sind wir daran interessiert, heutige Formen der autogestion zu betrachten.

Aus künstlerischer und theoretischer Perspektive werden das Projekt “Filling the Weak Points” und die zugehörigen Seminare an der Leuphana Universität Lüneburg den Ideenreichtum derjenigen Formen von autogestion untersuchen, die in Reaktion auf Prozesse der Gentrifizierung, der Fragen um Wohnraum, des “the right to the city”, der Finanzialisierung des Alltagslebens und der veränderten Rolle des Staates entstanden sind. Diese neuen politischen Konfigurationen entstehen aus dem, was wir als neue “schwache Punkte” unserer Gesellschaft wahrnehmen – die “leeren Zonen des sozialen Lebens” von heute, wie Lefebvre sie nennt – die sich gegenwärtig verdichten.

Student/innen, die an dem Projekt und den Seminaren teilnehmen, haben Gelegenheit, über das Verhältnis von Ästhetik und Politik zu lesen und zu diskutieren, als auch über die Rolle der Kultur für den Entwurf und die Imagination der Zukunft. Darüber hinaus soll Fragen nachgegangen werden, wo und wie sich derzeit neue Formen der autogestion und des Horizontalismus herausbilden.

Am Anfang unserer Recherchen steht das Nachdenken über einige Orte und Räume in Lüneburg und der weiteren Region, an denen sich die Potentiale der autogestion zu entfalten beginnen: den Anti-Atomprotest im Wendland, die Universität als Ort des Selbstmanagements, besetzte Häuser in Lüneburg und andernorts sowie die Anti-Gentrifizierungsbewegung in Hamburg.

An dem Projekt teilnehmende Student/innen werden unter anderem die weiteren Recherchen und die Entwicklung eines Ausstellungsformats für den Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg (Juni 2013) begleiten.

(Oktober 2012)

Informationen zur Ausstellung „Front, Field, Line, Plane – Researching the Militant Image“ finden Sie hier. Ende 2014 wird eine Publikation erscheinen.


[1] Henri Lefebvre, “Theoretical Problems of Autogestion”, in: State, Space, World: Selected Essays. Eds. Neil Brenner and Stuart Eldon. Minneapolis: University of Minnesota Press, 2009: 149.
[2] Marina Sitrin: Horizontalism: Voices of Popular Power in Argentina, Oakland: AK Press, 2006: vii.
[3] Marina Sitrin, “Ruptures in Imagination: Horizontalism, Autogestion and Affective Politics in Argentina.”, in: Policy & Practice: A Developmental Education Review 5 (Autumn 2005): 47.
[4] Henri Lefebvre, “Theoretical Problems of Autogestion”, in: State, Space, World: Selected Essays. Eds. Neil Brenner and Stuart Eldon. Minneapolis: University of Minnesota Press, 2009: 144.

Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber) sind in 2012/2013 Residenzkünstler⁄innen beim Leuphana Arts Program. Das Leuphana Arts Program wird durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen unterstützt.