Haacke Chapter 2

From Paradise

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S.R.: Ich würde jetzt eigentlich so ganz gerne auf diese Frage in dem wiederabgedruckten »October»-Interview kommen, wo gesagt wird, dass Sie ja als Konzeptualist und Foto-Montagist bekannt sind, zu diesem Zeitpunkt, Mitte der 80er Jahre, und das Gespräch dann im Prinzip sehr stark darüber geht, wie Ihre malerischen Arbeiten entstanden sind. Und was mich daran besonders interessiert, ist, dass Sie ja einerseits historisch mit einer Tendenz – ich drücke es jetzt ganz vorsichtig aus – mit einer Tendenz zur konzeptuellen Kunst zugeordnet werden; andererseits diese starken Medienwechsel ja immer ganz große Probleme für die Rezeption bringen, weil man ist nicht mehr so eindeutig wiedererkennbar, es ist ein ganz anderes Bild, es ist eine andere Installation, es sind nicht immer dieselben Objekte, wo man sofort sagen kann »Das ist Yves Klein« oder was auch immer, »Joseph Beuys«, wo eine eindeutige Ästhetik gegeben ist; und dieser Medienwechsel, diese Entscheidung von einer, sagen wir, die Arbeit, die im Guggenheim ausschlaggebend war, die 'Schapolsky»-Arbeit, die ja sehr stark oder nur mit Fotografie und Text arbeitet – dokumentarisch – zu einer malerischen Arbeit, wie die, die sich mit Ronald Reagan oder mit Margaret Thatcher beschäftigt hat. Was ist für Sie einerseits die Herausforderung daran gewesen – oder war das eine ganz pragmatische Entscheidung? – und andererseits, wie haben Sie sich die Reaktion oder die Rezeption dieser Arbeiten vorgestellt?

H.H.: Ich glaube, ich habe in diesem Interview oder Gespräch gesagt, dass es jeweils darauf ankommt, welche Aufgabe zu erfüllen ist. – what kind of job has to be done. Und das ist dann jeweils situationsbedingt; Kunstjargon-Ausdruck wäre der »Kontext», der es einem nahe legt, auf ein Medium zurück zu kommen, das für diese bestimmte Aufgabe am geeignetsten ist, weil das Medium ja nicht ohne Bedeutung ist. Wenn ich also ein Porträt male im Stile des 19. Jahrhunderts und das mit einem Großfoto konfrontiere, dann kommt es nicht nur auf die Abgebildeten an, also auf Ronald Reagan auf den einen Seite und die Demonstranten in Bonn auf der anderen Seite, sondern auch auf die Medien selber und die Malweise, den Stil, die Periodizität der Porträtmalerei aus dem 19. Jahrhundert, mit der Bilderlampe, die da drüber hängt; das war ja alles wie ein Salon-Bild gemalt. Und das hat meines Erachtens eine Bedeutung, die, wenn nicht offen, doch unterschwellig beim Betrachter ankommt. Bei Margaret Thatcher habe ich mir die viktorianische Malerei zum Vorbild genommen, ich habe mir die viktorianische Malerei angesehen, die Rahmen, die dazu gemacht worden sind, und habe sie dann in diesem viktorianischen Milieu gemalt; sie selber hat sich ja als Victoria präsentiert, öffentlich, obwohl sie mit der alten Victoria wahrscheinlich sehr wenig zu tun hatte.


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