Buchmann Chapter 3

From Paradise

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S.R.: Vielleicht ist auch das Interessante und das Komplizierte gleichzeitig an der Konzeptkunst, dass einerseits die Praktiken, so wie du es gerade geschildert hast, eine Vielfalt von Brüchen und Ansätzen mit der traditionellen Historie, der Geschichte der Kunst darstellen, andererseits aber auch der Begriff der Konzeptkunst, wenn man wirklich jetzt sagen würde, es gibt diesen historischen Bruch und wir können ihn nicht auf eine Praxis oder fünf Praktiken festnageln, dass dieser Begriff der Konzeptkunst an sich ja schon so disparat und so unterschiedlich eingesetzt und diskutiert wurde, dass das ja schon eigentlich sich ausschließt, dass man diese Leute als eine Bewegung oder eine Formation begreift.

S.B.: [...] Ja, ich denke, dass die Debatten, die um diesen Begriff von Anbeginn an eigentlich geschwebt haben, und die Debatten, die diesen Begriff mit geprägt haben, dass die gewissermaßen eine konstitutive Voraussetzung dafür sind, dass man überhaupt von konzeptueller Kunst in dem Sinne [...] spricht. Ich glaube, es bedarf dieser Streitigkeiten und Auseinandersetzungen. Das finde ich aber auch so super interessant. Ich finde diese Konflikte könnten noch viel pointierter sein, und die machen den ganzen Wahnsinn aus, der damals ja auch getobt hat. Natürlich gab es eine Verständigung darauf: Hey, Künstler/in, wir müssen uns zusammen tun, wir müssen andere Strategien entwickeln, um im und gegen den Markt zu bestehen. Das ist sozusagen die gute Konkurrenz, die da etabliert worden ist, aber gleichzeitig war dieses Motiv der Konkurrenz auch ganz wesentlich in diesen ganzen Streitigkeiten, die sich ja bis in die Rezeption weiter ziehen: die einen, die sich auf Kosuths Seite, und die anderen, die sich auf Sol Lewitt... und wer war denn als erster da? [...]. Und dann gibt es wieder andere, die sagen, dieser Begriff ist vollkommen untauglich. Die anderen sprechen von Bewegung. Dann wird doch wieder mit Stilelementen diskutiert. Ich finde es als Konflikt interessant, und an diesem Konflikt lässt sich so viel ablesen. Das habe ich versucht zu verbinden mit einem Konflikt über das, was könnte eigentlich künstlerische Produktion heißen, gelabelt mit so etwas wie konzeptueller Kunst, und dann wäre eben auch die Frage, ob dieser Begriff auch deswegen Bedeutung erlangt hat, weil damit dann plötzlich auch internationale Ausstellungen bestückt wurden, dass damit plötzlich auch ein neues Paradigma behauptet werden konnte, wovon aber die meisten dann gleich wieder die Schnauze voll hatten und sich wieder distanziert haben. Aber all diese Identifikationen und Distanzierungen gehören für mich dazu, und das macht für mich auch die Interessanz des Phänomens aus.


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